BELOVED.

YOGA. LIFE. LOVE. BLOG.

Adrienn Sümeg

„Also ich glaube, falls irgendein Gott existiert, dann ist er in keinem von uns, nicht in dir, nicht in mir, vielmehr irgendwo zwischen uns.“

~   aus Before Sunrise

Das Leben ist zu kurz, um Angst zu haben.

Entspannung ist unsexy. Nicht.

Nach einem privaten Intermezzo neulich war es mal wieder so weit.

Der Boden unter meinen Füßen – weg.  Herz wund, Gedanken out of control, nachts schweißgebadet aufgewacht, weil‘s so ins Herz reingestochen hat und meine Gedanken sich einfach nicht beruhigen wollten.

Alles drauf gehämmert, was Yoga und Meditation so hergibt. Nutzlos.

Was mir so ziemlich als Letztes einfiel, und was mich dann endlich wieder schlafen ließ, war – die gute alte unsexy Entspannung.

Mit Entspannung konntest du mich eine Zeitlang jagen. Das war wie Stricksocken-zu-Beckenschaukeln-Yoga. Absolut nicht salonfähig.

Vor allem in meiner Bam-Bam-Asana Phase, wo es gar nicht schweißtreibend genug, gar nicht körperlich genug, gar nicht deep deep shit genug sein konnte. Ja, okay, nach einer mörderischen Asana-Sause 10 min Savasana war schon geil. Aber einfach weil ich so dermaßen im Arsch war, dass ich während des Übends schon ums nackte Überleben gekämpft hatte.

Aber Entspannung als Praxis an sich – geh mir weg.

So, und dann war ich vergangenes Jahr in Bali auf Ausbildung bei meinem Lehrer Ganesh, krass erschöpft bin ich da angekommen, auf dem Zahnfleisch quasi. Neben heftiger Erschöpfung hatte ich noch ein paar harte private Brocken zu verdauen. So doofes Zeug mit Loslassen. Der Klassiker halt.

Was Ganesh dann gemacht hat: Uns erstmal locker 20- 30 min liegen lassen, in Savasana. Und mit seiner beruhigenden Stimme hat er gesagt, wie wir den Atem beobachten sollen, wo wir den Atem im Körper beobachten sollen und so weiter und so fort.

Und Gott, ich wusste gar nicht, WIE erschöpft ich gewesen war. Wie unglaublich erschöpft wir doch meistens sind und merkens nicht einmal, weil wir ständig weiter wuseln.

Das hat er locker zwei Mal am Tag mit uns gemacht, manchmal öfter.

Und ich hab locker mindestens zehn Tage gebraucht, um runterzukommen.

Und wer von uns macht schon zehn Tage am Stück mehrmals am Tag 30 Minuten lang Entspannung?

Also ich nicht.

Aber in Bali hab ich mich ernsthaft in diese Entspannungen verliebt und seitdem übe ich sie auch daheim bei Bedarf. Nur manchmal fallen sie mir nicht ein – obwohl sie mich so überzeugt haben.

Okay, das ist noch ein wichtiger Punkt, bevor wir gleich loslegen.

Damit dir eine Übung / ein Instrument aus Yoga + Meditation in der Stunde der Not einfällt, muss es

  • Dich echt überzeugt und geflasht haben
  • Du musst es schon öfter gemacht haben. Damit du eigene gute Erfahrungen damit hast. Denn nur DEINE vertieften Erfahrungen damit bewirken,
  • dass dir die Übung in der Situation, wo die Kacke am Dampfen ist, dann auch tatsächlich einfällt. Wenn du die Übung nur mal in einem Workshop gehört oder in einem Buch gelesen hast, dann ist sie nach kurzer Zeit wahrscheinlich – puff – weg.

So, nun gut, also was ich vorschlagen kann zum Üben:

1.Fang an mit Entspannung

BEVOR du in deinem üblichen Yoga/Meditations-Aktionismus rumdokterst.

Oder – Gott bewahre – einfach irgendwas übst, ohne zu wissen was du da tust.

Oder nur weil‘s der Lehrer/die Lehrerin gesagt hat.

Oder automatisch deine Sequenzen durchturnst, ohne darauf zu achten, ob das an dem Tag überhaupt passt für deinen Körper und oder für deinen mentalen Zustand an dem Tag.

Kennst du das? Dass wenn du traurig bist, leidest, gestresst bist, fertig bist,  und du schon länger Yoga und Meditation übst – dann peng peng peng drängen sich gleich die Übungen auf?

Ah, ich bin traurig, dann probier ich’s mal mit DEM Mantra. Oh, ich bin gestresst, dann mach ich jetzt mal diese Meditation. Uh, ich hab Rückenschmerzen, dann übe ich jetzt mal diese und jene Sequenz.

STOP !!

Erst mal auf Anfang.

Leg dich hin und lass deinen Mindfuck erstmal zur Ruhe kommen. Warte mindestens zehn Minuten. Werde achtsamer.

So verschaffst du dir einen Überblick darüber: Was ist denn überhaupt bei mir los? Und zwar, was GENAU ist los?

Du kannst nicht klar und präzise arbeiten, während deine Gedanken noch hämmern wie Presslufthammer.

Spüre, kurz nachdem du dich hingelegt hast: Wie geht’s mir überhaupt?

*wie fühlt sich mein Körper an? Gibt’s irgendwelche Signale an bestimmten Stellen?

*wie ruhig oder wie unruhig kommt mein Atem?

*wie ruhig oder wie aufgewühlt sind meine Gedanken und Gefühle?

So verschaffst du dir erst mal einen groben Überblick über den Ernst der Lage.

2.Das Liegen

Leg dich flach auf den Rücken, Beine können auch angewinkelt sein. Deine Füße können auch hüftbreit sein, deine Knie können auch zusammen fallen. Was für dich angenehm ist. Vielleicht sogar auf der Seite liegen.

Dann reib deine Hände, bis sie warm sind.

Leg eine Hand auf den Bauch (unterer oder oberer Bauch, wie du magst) und eine Hand auf die Brust (Brustbein oder Mitte der Brust).

Und dann…. Nix und dann.

Nichts weiter. Nur atmen.

Lass den Atem in Ruhe.

Misch dich nicht ein.

Wenn er schnell und flach kommt, kommt er schnell und flach.

Wenn er lang und tief kommt, kommt er lang und tief.

Wenn er rasselt, rasselt er.

Wenn er dünn ist, ist er dünn.

Wenn er kräftig wie ein gesunder Wasserstrahl kommt, kommt er kräftig wie ein gesunder Wasserstrahl.

Lass ihn einfach mal sein, wie er ist. Deinen Atem.

Du kannst die Augen offen haben oder zu. Was an dem Tag angebracht ist.

Bei akuten gedanklichen gefühlsmäßigen Turbulenzen würd ich empfehlen: Lass an solchen Tagen die Augen auf. Sonst tauchst du zu tief rein ins Drama.

Wenn alles easy ist, lass sie zu.

Und dann spür, wie deine Hände auf Bauch und Brust liegen.

Und dann spür, was sich unter deinen Händen tut.

Spür die Bewegungen unter deinen Händen.

Die Bewegungen, die dein Atem hervorruft.

Lass den Atem, wie er ist.

Beobachte, wie sich dein Körper unter deinen Händen bewegt.

Mit jeder Einatmung, mit jeder Ausatmung.

Deine Gedanken / Gefühle werden wandern.

Ärger dich nicht.

Komm zurück.

Beobachte weiter deinen Atem.

Verändere ihn nicht.

Lass ihn endlich mal so sein, wie er ist.

Mach das mindestens zehn Minuten, eher länger.

Wenn du nen stressigen Tag hattest, leg dich abends ins Bett und üb das vor dem Einschlafen, um runter zu kommen.

3.Nimm wahr, wie es dir nach der Übung geht

Nicht einfach husch husch weiter. Sondern nimm direkt nach der Übung wahr:

*wie fühlt sich mein Körper an? Gibt’s irgendwelche Signale an bestimmten Stellen?

*wie ruhig oder wie unruhig kommt mein Atem JETZT?

*wie ruhig oder wie aufgewühlt sind meine Gedanken und Gefühle JETZT?

* Gab’s Themen, die sich beim Liegen aufgedrängt haben?

Okay, jetzt hast du Feedback. Feedback, mit dem du weiter arbeiten kannst.

-darüber, ob die Übung was gebracht hat: Bist du ruhiger geworden?

-vielleicht mehr Klarheit, welche Themen bei dir grad vehement brennen

4.Jetzt, wo du mehr Klarheit zu deinem Thema hast

Kannst du immer noch in deinen Yoga-Werkzeugkoffer schauen: was ist bei Thema xy zu üben?

Das beinhaltet, du brauchst erst mal einen Yoga Werkzeugkoffer.

Den kannst du dir zusammenstellen:

*sammle Übungen, Techniken meinetwegen bei verschiedenen Lehrern, Workshops, in Yogastunden, in angeleiteten Meditationen, im Internet

*aber dann wichtig: überprüfe selbst und immer wieder über längere Zeit: Macht diese Übung Sinn für mich?

Und egal, was dir manche vielleicht sagen: Du solltest dich NICHT NOCH aufgewühlter nach der Übung fühlen, als du dich vorher gefühlt hast. Man entkommt Leid nicht, indem man Leid triggert.

Wichtige Sache.

Also sei skeptisch, wenn jemand sagt: Ja, das musst du jetzt durchhalten, auf der anderen Seite des Schmerzes (egal ob körperlich oder mental) wird’s leichter.

Nope.

Die Übung sollte sich SCHON WÄHREND dem Üben gut anfühlen.

Leicht, klar, hell, ruhig. Sattvisch.

E basta.

*und wenn du deine Werkzeuge gesammelt und selbst überprüft hast (an dir, haha) über längere Zeit, dann fallen sie dir hoffentlich ein in deiner schwierigsten Situation. Da wo du echt Hilfe brauchst.

Je öfter du deine Werkzeuge geübt hast, desto größer die Chance, dass sie dir dann auch tatsächlich einfallen, wenn es um die Wurst geht.

Du musst sie intus haben, im Schlaf müssen sie dir kommen, in Fleisch und Blut müssen sie dir übergegangen sein.

5.Entspannung „um zu“ oder einfach nur so

Und vielleicht schaffts Entspannung auch in deine Werkzeugkiste. Ich würde mich im Stillen freuen. Und du kannst entspannen, einfach nur um zu entspannen.

Und du kannst auch entspannen,

um wieder mehr im Flow zu sein, intuitiver zu werden, Stress zu reduzieren, wieder klarer wahrzunehmen, was in dir und deinem Leben abgeht… und und und.

Viel Spaß und lasst mal hören, wie’s euch ergangen ist.

Eure Adri

Sei jemand anderes.

Heute morgen so: okay, dann mach ich mal. Und nach Jahren – Jahren !! – schwupps, war er da. Der Kopfstand. Ganz allein. Ich hab eine Vermutung, wem ich das zu verdanken habe. Eine große Rolle hat dabei gespielt, dass ich mich seit langem mal wieder getraut habe, jemand anderes zu sein.

Letzte Woche war ich auf einem Yoga Retreat. So als Schülerin – nicht als Lehrerin.

Kennt ihr das? Wenn man mal was eine Zeitlang gemacht hat, sei es Steuerberater sein oder Barista, oder Partner oder Mutter oder Kind. Dann ist man das irgendwie auch immer mehr. Und man bekommt Erfahrung in dieser Rolle. Man wächst rein. Man erlebt gewisse Dinge immer mehr in dieser spezifischen Perspektive.

Das ist auch gut so. Vermutlich ermöglicht uns eine gewisse Spezialisierung auch, immer spezifischer werdende Erfahrungen zu machen, und diese Erfahrungen immer weiter zu machen, bis man dann sagen kann: “ Okay, im Espresso zubereiten bin ich echt erfahren. Das kann ich im Schlaf.“

Bei mir ist das so mit Yoga halt 😉 und natürlich hab ich auch im Yoga Lieblingsschwerpunkte. Und je länger ich mich damit beschäftige, desto mehr glaube ich, Dinge zu wissen, einfach, weil ich sie selbst erfahren habe, und nicht aus Büchern gelesen oder so.

Der Knackpunkt: Je mehr ich glaube zu wissen, desto festgefahrener werde ich.

Und dann kann nix Neues passieren.

Die Episode mit dem Kopfstand ist für mich persönlich symbolisch dafür, dass ich mich trotz gewisser Erfahrung in meinem Bereich getraut habe, in eine andere Rolle zu schlüpfen. Die des Schülers.

Ich hab eine Woche lang die Mattenseite gewechselt, hab zugehört, die Klappe gehalten, mit geübt. Bin heimgekommen – und konnte Kopfstand.

Das ist deswegen für mich so ein Riesending, weil ich seit Jahren Beschwerden an der Halswirbelsäule und an der Brustwirbelsäule habe. Und sehr oft, wenn ich Kopfstand geübt habe, weil ichs’s halt unbedingt schaffen wollte, hatte ich danach wochenlang Schmerzen, die meine Asana Praxis stark einschränkten.

Das ganze hat meine Erfahrung, dass ich persönlich mit dem Kopfstand vorsichtig sein sollte, sehr fest werden lassen.

Was einerseits gut ist, weil es immer sinnvoll ist, achtsam mit dem eigenen Körper zu üben. Nur man selbst spürt, was sich gut und sinnvoll und gesund anfühlt.

Was wie in meinem Fall anderseits dazu führen kann, nur noch safe-safe zu machen, nur noch achtsam – und sich gar nicht mehr zu trauen.

Was auch schade ist.

Deswegen bin ich mega dankbar, dass meine sichere Kruste mal wieder aufgebrochen wurde.

Ich hab das Gefühl, dass es bei mir passiert ist, weil ich eine Woche lang in eine andere Haut geschlüpft bin, für mich wars unglaublich erfrischend, eine Woche lang Schülerin zu sein (passiert nur noch selten) und meinen vorgefertigten mindfuck auszuhalten und einfach mal zu machen.

Man kann ja auch mit Achtsamkeit einfach mal machen.

Was dabei rausgekommen ist: Etwas, von dem ich geglaubt hatte, es sei in diesem Leben nicht mehr für mich drin. Und jetzt ist es in diesem Leben für mich drin.

Wenn du Lust bekommen hast – so zur Erfrischung – mal die Rolle von jemand anderem einzunehmen, hier ein paar Ideen:

1. Akzeptiere andere Menschen als Lehrer

Und dabei ist völlig wurscht, ob Lehrer-Lehrer oder ein Freund, dein Partner, dein Kind, deine Mama, deine Oma, dein Opa, die Kassiererin im Supermarkt, der Obdachlose auf der Straße, deine Schüler.

Auch wenn – und gerade dann, wenn du wie ich – schon fertige Konzepte im Kopf hast, wie der Hase läuft (und deine Konzepte mögen okay sein und sie mögen sich auch bewährt haben): Brich ab und zu mal aus deinen Konzepten aus!

Trau dich, die Sache aus der Sicht von jemand anderem zu sehen. Und sich auf seine/ihre Perspektive einzulassen.

Egal, ob du denkst, dass du Recht hast oder der andere. Egal.

Es geht darum, dass du eine neue Erfahrung machst.

Deine Stabilität und Achtsamkeit kannst du ja trotzdem mitnehmen.

Würde ich schon empfehlen.

Ganz praktisch:

Wenn du immer Chef*in bist, sei mal Angestellte*r. Versetze dich in die Sicht, in die Wahrnehmung deiner Mitarbeiter hinein.

Wenn du Angestellte*r bist, sei Chef*in.

Wenn du Mutter bist, sei Kind.

Wenn du Kind bist, sei Mutter.

Wenn du Freundin bist, sei Freund.

Wenn du Freund bist, sei Freundin.

Wenn du Lehrer*in bist, sei Schüler*in.

Wenn du Schüler*in bist, sei Lehrer*in.

Hör anderen zu, auch wenn du denkst: Bla, bla, bla, kenne ich alles schon. Hör wirklich zu. Lass dich auf den anderen ein.

„Wer mutig genug ist, alles hinter sich zu lassen, egal was, vom Haus bis zu alten Verletzungen, und sich auf die Suche nach der Wahrheit macht, sei es nach innen gewandt oder außen, und wer wahrhaft gewillt ist, alles was ihm auf der Reise passiert, als Schlüssel zu betrachten, und jeden, der ihm begegnet, als Lehrer zu akzeptieren, und vor allem der dazu bereit ist, sich unangenehmen Realitäten, die einen selbst betreffen, zu stellen und diese zu verzeihen, dem wird sich die Wahrheit offenbaren.“ ~ Liz Gilbert

2. Mach das Gegenteil

Oder einfach was anderes.

Weil die meisten von uns einfach sehr in ihren Rollen gefangen sind, einen Fulltime Job haben mit oder ohne Familie, Verpflichtungen, Verantwortungen.

Irgendwie läuft jeder Tag gleich.

Und zu viel Routine killt echt alles.

Also brich aus.

Nicht ständig. Mir ist schon klar, man kann nicht ständig ausbrechen und wilde Dinge tun. Kann ich auch nicht. Aber ab und zu.

Und dann:

Wenn du nie feiern gehst und sonst immer um 9 im Bett liegst, geh feiern.

Wenn du zu viel feiern gehst, geh halt mal um 9 ins Bett.

Wenn du immer Pauschalreisen machst, dann fahr allein irgendwo hin – ohne alles durchgeplant zu haben.

Wenn du am liebsten individual reist (wie ich, meistens), dann kann es auch mal eine gute Erfahrung sein, dich in den Rentnerbus zu setzen und nach Connemara zu fahren. Liegt in Irland. Hab ich mal vor paar Jahren gemacht und obwohl’s mir total dagegen geht, hab ich tatsächlich Touri Hot Spots besucht. War saulustig.

Nicht immer und auf Dauer ist cool und individuell cool und individuell. Irgendwann wird’s auch oll und langweilig.

Festgefahren.

Also Hauptsache, du machst es anders als sonst.

Ich sage nicht, dass wie du es sonst machst und wie ich es sonst mache, nicht gut ist.

Es wird sich schon bewährt haben, wie wirs machen.

Ich sage:

Brich aus. Machs anders. Ab und zu.

3. Du kannst neue Erfahrungen machen und trotzdem achtsam sein.

Und nicht kopflos. Kopflos würde ich nicht empfehlen.

Zum Beispiel beim Kopfstand knör dich nicht hoch, hüpfe nicht, pushe nicht, nur weil du eine Erfahrung unbedingt willst.

Mach dein Zeug, bewege dich und atme achtsam, wenn du Asana übst.

Übe weiter.

Dein Körper verändert sich beim Üben. Gib ihm ein bisschen Zeit.

Eine sehr gerundete Wirbelsäule (Brustwirbelsäule) wird nicht lang in drei Tagen.

Sei nett zu dir. Spüre, welche Bewegungen fühlen sich für dich gut an beim Üben.

Bleib beim Üben mit deinem Atem verbunden.

Nimm immer wahr: Ist mein Atem ruhig beim Üben, ist er unruhig?

Und mit dem Atem – deinem Kumpel und Lehrer – zusammen taste dich weiter.

Das ist achstsames Üben.

Und achtsames Üben ist unglaublich stabilisierend.

Übe immer achtsam.

Und von Zeit zu Zeit kitzle dich zu deinen Grenzen hin.

Wo du merkst, oh oh, hinter dieser Grenze lauern die Gefahren. Die Seeungeheuer.

Und du wirst es spüren – an deinem Atem.

Wenn du dich diesen Grenzen näherst, egal ob körperlich oder mental (hängt eh zusammen), dann wird dein Atem schneller.

Dann mach wieder ein bisschen langsamer.

Lass den Atem sich beruhigen.

Und dann taste dich langsam wieder hin.

So habe ich’s mit dem Kopfstand heute früh gemacht.

Und so kannst du es in allen Asanas handhaben.

Und eigentlich in so vielen Situationen in deinem Leben, wo du Mut brauchst.

Was zum Lesen:

Viel Freude beim Üben.

Alles Liebe,
Adrienn

Ähnliches, was für dich von Interesse sein könnte:

Bhakti Yoga – Nackt vor Liebe

Du stehst vor einem geliebten Menschen, der dir wehgetan hat. Kannst du in einem solchen Moment einfach nur lieben, ohne Angst? Und schaffst du das aus eigener Kraft, durch Yoga und Meditation – oder übst du mit Gott?

„There’s a place in your heart and I know that it is love. “  ~  Michael Jackson

Eine meiner Lieblingsgeschichten geht so:

Die Gopis in Nordindien waren Kuhhirtinnen. Sie waren so verrückt vor Liebe zu Krishna, der für bedingungslose Liebe steht, dass sie alles stehen ließen, um zu ihm zu kommen: ihr Kind, ihr Essen, ihren Mann.

In Wirklichkeit waren die Gopis Rishis, hat mir meine Lehrerin Indra erzählt. Rishis sind Weise, Seher. Sie haben so viele Leben damit verbracht, sich einzig und allein auf Gott (Krishna) zu konzentrieren, dass sie schließlich als Liebende wiedergeboren wurden. Gopis sind Liebende. In dieser Form konnten sie Gott am nähesten sein. Sie haben auch mit Gott Liebe gemacht.

Vor Sonnenaufgang gingen sie oft heimlich nackt baden in der Yamuna (ein Fluss) und dachten nur an Krishna und beteten, dass er ihr Mann wird. Als sie badeten, kam Krishna und hat ihre Kleider geklaut. Er hat darauf bestanden, dass sie einzeln nackt aus dem Wasser kommen und ihre Hände in Gebetshaltung über dem Kopf falten. Und obwohl sie vor Angst und auch Erregung zitterten, haben sie’s getan. Sie zeigten sich nackt vor Gott. „The gopis uncovered themselves entirely, even as souls do while surrendering to God. “ ~ Bhagavata Purana

Frage: Kannst du dich vor einem geliebten Menschen, der dir womöglich noch wehgetan hat, so nackt zeigen, wie es die Gopis vor Gott getan haben? Dich nicht verstecken, dich nicht verstellen, sondern dich ganz roh zeigen wie du bist.

Das sind doch die Situationen im Leben, auf die es wirklich ankommt und wo sich zeigt, ob deine ganze spirituelle Praxis funzt: Du, ein geliebter Mensch, die Angst, die Liebe – Was tust du?

„Die höhere Liebe verlangt aber, dass du offen bist, die höhere Liebe verlangt, dass du verletzlich bist. Du musst deine Rüstung ablegen – und das tut weh.“ – Osho

Du kannst eine hohe Form menschlicher Liebe mithilfe von Yoga und Meditation üben, aus eigener Kraft. Wenn du das alleine nicht schaffst, dann gibt es die Option mit Gott. Kann, muss nicht.

Wenn du ohne Gott übst

Ohne Gott ist es tapah svadhaya. Tapah ist Willenskraft. Du musst es wollen und durchziehen. Svadhyaya ist Selbststudium mit Hilfe eines Lehrers und Mantra-Rezitation.

Übst du mit Gott, ist es mit ishvara. Das ist Bhakti Yoga.

„tapah svadhyaya ishvara pranidhanani kriya yogah.“  Yogasutra II, 1.

Wenn du mit Gott übst

Du kannst dich Gott nähern als Freund*in, Diener*in, Mutter, Kind, Ehepartner*in oder Geliebte*r.

Wenn du dich Gott als Liebende*r näherst

Und nicht nur Gott. Wenn du davon ausgehen möchtest, dass Gott im Herzen jedes Lebewesens wohnt, dann näherst du dich ja irgendwie auch dem Kern jedes Lebewesens.

Ich finde diese Denke oft schwer, auch wenn ich tief in mir drin überzeugt bin, dass sie stimmt. Denn was machst du, wenn Menschen dich enttäuschen, verletzen, verlassen? Was, wenn du dich vor dem geliebten Menschen ganz nackt zeigst und er oder sie verliebt sich plötzlich in jemand anders? Sagst du dann: nix für ungut, Licht und Liebe und tschöö….?

Du kannst noch so oft deinen Mut erproben und von Klippen ins Meer springen und nach Indien, Bali und Thailand reisen, dich mit handtellergroßen Spinnen, Dengue-Fieber und deinen inneren Dramen konfrontieren, dir alles raustanzen, singen. Und dann kommst du heim und stehst vor einem geliebten Menschen, der dir krass wehgetan hat.

Schaffst du es in einem solchen Moment, nur zu lieben?

Einen guten Tipp für menschliche Beziehungen hab ich von Petros Haffenrichter auf dem Dach eines Tempels in Indien bekommen:

„Kläre deine Beziehung zu Gott, alle anderen Beziehungen klären sich von alleine.“ ~ Petros Haffenrichter

Deine Beziehung zu Gott ist normalerweise eher persönlich und intim. Idealerweise kennt dein*e Lehrer *in dich und deinen Geist gut und kann dir sagen, wie du am besten Bhakti Yoga üben kannst. Wenn es im Moment keine*n solche*n Lehrer*in in deinem Leben gibt, kannst du dich in etwa so orientieren:

  1. Benenne das für dich persönlich Göttliche.

Wer oder was hilft dir immer, wenn du aus eigener Kraft nicht weiter weißt? Benenne diese Kraft. Das ist ishvara. Wenn das für dich die Bäume sind, dann sind das für dich die Bäume. Oder Jesus. Oder Shiva. Oder Liebe. Oder Mut. Es ist nicht wichtig, wer oder was das Göttliche für dich ist, sondern, welches Gefühl es verkörpert.

  1. Beginne mit Name und Form.

Wann in deinem Leben hast du dich schon mal so gefühlt, wie du dich fühlen möchtest? Welches Bild von Gott verkörpert dieses Gefühl am ehesten?

Und du musst fühlen können, was du fühlen möchtest. Das ist der Knackpunkt. Immer. Arbeite mit dem reinen Destillat dieses Gefühls. Nur Erfahrung bringt echte Veränderungen in deinem Leben und in deinem Geist. Phantasie geht nicht tief genug.

Wenn du ein Bild gefunden hast: Schau es an, mach es dir als Bildschirmschoner aufs Handy, hänge eins neben den Toaster, stell eins auf deinen Altar, leg dir eines ins Auto. So kitzelst du immer wieder „dein Gefühl“ wach. Und dann sing! Ist singen nicht dein Ding, dann rezitiere den Namen Gottes.

  1. Deine Beziehung zum Göttlichen sollte erhebend sein.

Fühlst du dich in dieser Beziehung ruhig, frei, klar, echt gut (sattvisch)? Sie sollte dich an die höchste und schönste Version deiner Selbst erinnern. Die du in manchen Momenten spürst, wenn ein bestimmtes Lied läuft, du die Sonnenstrahlen zwischen den Bäumen siehst, aufs Meer schaust, im Fluss schwimmst und jemanden liebst in einer Art wie wenn Thich Nhat Hanh sagt:

„Dear one, do you have enough space in your heart and all around you?“ ~ Thich Nhat Hanh

 4. Kultiviere deine Beziehung mit dem Göttlichen für dich alleine.

Du kannst die kompletten 8 Stufen von Patanjali (Yogasutra Vers II.29) mit deiner Beziehung zum Göttlichen anreichern.

Du übst Gewaltlosigkeit und spürst, dass jeder –  auch garstige Menschen – im Inneren etwas Göttliches haben und dass du ihnen nicht wehtun willst.

Du übst Yoga-Asana und rezitierst dabei laut oder leise den Namen Gottes, zusammen mit „deinem“ Gefühl.

Du übst Pranayama und sagst dabei im Stillen den Namen Gottes.

In Pratyahara, dem intelligenten Umgang mit deinen Sinnen, schaust du auf einen festen Punkt. Der Herzpunkt ist sehr gut, zwölf Finger oberhalb des Bauchnabels. Du lässt deinen Blick dort und wiederholst im Stillen weiter den Namen Gottes.

Du bleibst bei dieser Übung und lässt die Konzentration noch stärker werden, bis irgendwann der Fokus auf dein Objekt (in diesem Fall das Göttliche) so stark ist, dass du das Gefühl hast, es gibt keine Grenze mehr zwischen dir und Gott.

Dich so stark auf etwas zu fokussieren impliziert: Du wählst, wie du dich die meiste Zeit deines Lebens fühlen willst. Die äußeren Einflüsse liegen nicht in deiner Hand. Sehr wohl aber kannst du beeinflussen, wie du dich fühlen willst.

5. Mit Leuten abhängen, die deine Hingabe stärken.

Sprich satsang. Es allein zu schaffen, ist oft schwer. Jemand, der ähnlich tickt wie du in dieser Hinsicht, kann unglaublich viel Kraft geben.

6. Geh an Orte, wo „dein Gefühl“ spürbar ist.

Ich finde Kirchen total super, da sind nicht umsonst starke Energien. Viele Kirchen wurden auf früheren Kraftorten gebaut.

Eine atmosphärisch starke Region ist für mich auch Nordindien, wo ich vor ein paar Jahren auf Bhakti Reise war. Du läufst viel barfuß, der Boden unter deinen Füßen ist so gehaltvoll, du musst nichts weiter tun und bist verliebt in alles und jeden.

7. Suche Menschen, die erfahren haben, wonach du dich sehnst.

Die verrückt vor Liebe nach Gott sind wie Ramakrishna, ein Heiliger aus Bengalen, der im 19. Jahrhundert lebte. Seine Liebe war so ekstatisch, dass er regelmäßig in Ohnmacht fiel.

Oder ein Kirtansänger wie Krishnadas, der im Bürgerhaus München-Haar vor Hunderten von Leuten singt, Raum knallvoll, und dabei auf der Bühne einfach nur seine Beziehung mit Gott lebt, total wurscht, wer ihm dabei zusieht.

Lies etwas über solche Menschen oder verbringe Zeit mit ihnen. Und das kann auch jemand sein wie meine Oma, die schon als Kind in Gott verliebt war. Ganz normale Menschen halt.

Informiere dich: Haben diese Menschen im Alltag erlebt, was sie vermitteln wollen oder philosophieren sie nur aus der Theorie? Es ist leicht, von hohen Idealen in der Liebe zu sprechen, wenn du nicht täglich den Saustall hinterher räumen musst, den dein Partner in der Küche hinterlassen hat.

Mal wieder meine Lehrer die Mohans: Sie sind krasse Vorbilder für mich, weil sie leben, was sie sagen. Indra hat ihre Liebe zum Göttlichen in ihren Alltag integriert. Sie unterstützt ihren Mann seit mehr als 40 Jahren auf seinem Weg in Yoga. Und das Beste kommt: Mit über 70 kichern sie noch miteinander.

Ein paar persönliche Tipps:

  • Geh auf Kirtans. Das sind “Konzerte”, wo man Mantras in Ruf und Antwort chantet, zusammen mit Musikern beziehungsweise Bhakti Yogis.
  • Um Himmels Willen tanze! Im Wohnzimmer, in Clubs, im Freien, wo deine Musik gespielt wird. Geh auf Ecstatic Dance.
  • Suche das Echte, Uninszenierte + Listen to your heart. Dein Herz lässt sich nicht verarschen.

Reinhören:

·         Wunderschön: ein Kirtan in Vraj/Nordindien mit Petros und Vrajgopi.

 

  • einer meiner Lieblings Kirtans: Petros Haffenrichter, Erhard Dengl, Jan Kahlert in der Yogainsel Nov 2016.

 

  • Extrem erhebend: Nitya Mohans Stimme. Sie kommt 2018 wieder nach Europa und hat mich dieses Jahr so gebeamt mit ihrer Stimme wie selten jemand. Hingehen, wenn du mit Mantra und Klang in deiner eigenen Yogapraxis arbeiten willst. Über Nitya.

Und noch ein paar Lese- und Audio-Tipps:

  • Osho, Liebe, Freiheit, Alleinsein. Buch.
  • Puranas, Göttergeschichten. Gut finde ich die Ausgabe von Ramesh Menon. Einfach googeln: Shiva Purana, Bhagavata Purana.

Viel Freude beim Üben.

Alles Liebe,
Adrienn

Fotos/Video: Tanja Märtz/Karsten Kutza/Adrienn Sümeg/Günther Klebinger

Das könnte dich auch interessieren:

  • Rumlaufen, in alles verliebt sein: Mit das intensivste Bhakti Erlebnis bisher hatte ich auf einer Nordindien Reise mit Petros Haffenrichter. Februar 2018 wird das wieder angeboten. Link: http://india-bhakti-yatra.com/

I want to break free

Hast du den Geist nicht im Griff, hat er dich im Griff.

Das Ding ist, dein „Erfolg“ bei dieser ganzen Yoga Sache hängt von deinem Geist ab. Bewegen und atmen ist super, damit du Ruhelosigkeit oder Trägheit überwindest. Aber der Knackpunkt ist dein Geist. Den musst du in den Griff bekommen.

Oder wie Richard aus Texas sagt „Wenn du nämlich deine Gedanken nicht beherrschen kannst, sitzt du ewig in der Scheiße“ (aus Eat Pray Love)

Oder wie Ganesh Mohan sagt: „Don’t worry, the mind is a mess.“

Nach oder während einer Yogastunde fühlt man sich oft super, weil man sich da mehr oder weniger intensiv konzentriert, aufs atmen und bewegen. Und darauf, wie sich der Körper anfühlt, beim atmen und bewegen. Und vielleicht guckt man auf einen festen Punkt beim Üben und ist so noch konzentrierter.

In dieser Zeit hast du wahrscheinlich nicht so viel Kapazität, um noch zusätzlich an deinen Exfreund oder die Steuererklärung zu denken.

Nach der Stunde gehst beziehungsweise schwebst du raus, auf rosa Wolken mit Einhörnern, die Sonne scheint dir aus dem Popo und du kannst nicht aufhören zu grinsen. Das Yoga-Gefühl hält vielleicht noch ein paar Stunden an, vielleicht schläfst du gut.

Und dann…. Next morning… what the f…. !!

Okay, warum du rausfällst aus dem schönen Yoga-Feeling:

Weil die Muster in deinem Geist scheißstark sind.

Weil: Wenn du dein Leben lang GEDACHT hast, oh Mann warum brechen mir die Typen immer das Herz? Oder warum muss ich mich immer so abmühen und verdiene nicht genug Geld?

Dann hattest du auch das GEFÜHL, dass dein Herz wehtut und dass die Kohle nie reicht, egal wie viel du arbeitest.

Und je nachdem, wie du gedacht und gefühlt hast, hast du dich VERHALTEN. Und damit Erfahrungen kreiert in deinem Leben.

Und dann gehst du in dein Yoga, fühlst dich kurz gut, der ganze Schrott vergessen – 90 Minuten oder paar Stunden lang. Und dann kurze Zeit später BAM schlägt dein ganzes Paket an Gedanken und Gefühlen wieder zu.

Und du denkst: Oh Mann, wie lang will ich noch diesen ganzen alten Schrott denken – noch weitere 1000 Mal?

Ich persönlich habe relativ lange damit zu kämpfen gehabt, das schöne Yoga Gefühl immer haben zu wollen und nicht nur in den 90 Minuten der Yogastunde. Ich hab dann immer gedacht, ich müsste zu meinen Lehrern fahren und mich wieder aufladen. Sie sollen machen, dass ich mich wieder so gut fühle. Und wenn ich schon mal da bin, dann sollen sie auch das alles wegmachen, was in mir wehtut. Bitte!! Gott, ich war eine anstrengende Schülerin. Ich bitte an dieser Stelle um Verzeihung.

Und ah, interessant, neulich hat ein Freund von mir, mit dem ich zusammen in Indien war, erzählt, dass er das geile Yoga Gefühl, dass wir in Indien hatten, so vermisst und dass der Alltag ihn wieder komplett absorbiert hat.

Und dann fragt er mich „Wie machst du das bloß, du hast immer noch die gleiche Ausstrahlung wie in Indien? Voll gut.“ Und ich so – innerlich – WHAT? Ich halte mich gerade so aufrecht, mit Kaffee und meiner Yogapraxis.

Naja, und dann hab ich ihm halt das Übliche gesagt, dass man das feine Yoga Gefühl halt selbst immer wieder und regelmäßig herstellen muss, weil man sonst rausfällt. Also im Grunde das, was ich euch jetzt erzähle, und was bei mir persönlich vor ein paar Jahren KAWUMM gemacht hat zu dem Thema, wie verdammt nochmal krieg ich meinen Geist in den Griff?

Basis für diesen Zyklus: Yoga Sutra I.5

Beispiel dazu:

Ich treffe meinen Exfreund, den ich noch immer attraktiv finde, auf einem Weinfest.

Und dann geht’s los. Ich merke plötzlich, wie mein Herzschlag schneller wird, mein Atem auch, schweißige Hände, kein klarer Gedanke oder zu viele auf einmal. Das volle Programm. Und diese Gedanken und Gefühle kommen so deutlich, dass ich sie nicht ignorieren kann. Sie sind jetzt da.

= vrtti = perceived thought / feeling in the present moment

Wo kommen jetzt diese Gefühle her, verdammt?

Sie wurden durch einen Auslöser getriggert. Weil ich ihn jetzt sehe.

= alambana = trigger or support

Und wo sie her kommen, ist ein Ort, wo meine ganzen alten Gefühle, alten Gedanken, alten Sinneswahrnehmungen, alten Handlungen, all das Zeug, dass ich meine Leben lang oder mehrere Leben lang dort abgeladen habe, herumliegt. Im subconscious mind. In the storehouse of latent impressions.

Dass ich jetzt meinen Exfreund sehe, holt die alten heftigen Gefühle hoch, von denen ich vielleicht nicht mal mehr wusste, dass sie noch existieren.

Knackpunkt: Ich kann auf diese alten Sachen, die da in meinem Lagerhaus rumliegen, nicht direkt zugreifen, nur weil ich es will. Sie wiederum können jederzeit hochgehen, wie ein Vulkan. Also keiner weiß, was da liegt und wann es hochkommt. Sprich: ich sollte gut vorbereitet sein (durch mein Üben), wenn das nächste Mal was hochkommt und auch einen Notfall-Plan haben, was dann zu tun ist.

= samskaras

Zurück zum Exfreund: Ich habe jetzt also meine alten Gefühle im Moment am Start, bin überwältigt und kann nicht klar denken.

Wie ich in so einer Situation handle, trägt viel dazu bei, ob es mich Richtung Abhängigkeit oder Freiheit führen wird.

= karma

Sprich: es wäre besser, klar in der Birne zu sein, wenn ich meinem heißen Exfreund (=Gefahr) begegne. Und DAS wiederum kann ich üben!

Angenommen, ich lasse mich immer wieder, 50 Jahre lang und länger, von meinen Gefühlen für meinen Exfreund mitreißen. Dann kann es sein, dass es mich mehr in Richtung Abhängigkeit statt in Freiheit führt. Der Exfreund kann ja ein netter Typ sein. Darum geht es gar nicht.

Es geht hier um meinen Geist und wie ich mich entscheide: Will ich mich abhängig fühlen – oder frei?

= bhogas, life experiences

Der Geist läuft automatisch so. Wenn ich nix tue, verstärke ich die Muster in meinem Geist im Laufe meines Lebens immer mehr.

Man kann das sehr gut in älteren Menschen beobachten. Wenn sie ihr Leben in bestimmten Mustern gelebt haben, sind diese Muster im Alter sowas von fest. Da gibt’s schwer was dran zu rütteln.

Yoga ist “citta vrtti nirodha“, ein Zustand, der geschehen kann, wenn dein ganzes mind-drama aufhört.

Es wird nicht passieren, nur weil wir es wollen.

Weil die samskaras unendlich sind,

niemand weiß, woher sie kommen.

Und nur ein leerer klarer Geist tut, was du ihm sagst, was er tun soll.

Aber good news: Man kann was tun.

Generell:

– behalte diesen Kreislauf im Hinterkopf. und ärgere dich nicht, dass deine Gedanken und Gefühle machen, was sie wollen. Geht jedem von uns so.

– wenn du das nächste Mal in einer brenzligen Situation bist, wo deine Gedanken und Gefühle drohen zu eskalieren, hau ein STOP rein. Nimm dir einen Moment, mach einer der Übungen, die hier angeführt sind. Warte, bis deine Gedanken und Gefühle wieder ruhiger und klarer sind, und rede dann weiter. Handle dann weiter. Entscheide dann weiter. Nicht aus einem aufgewühlten Zustand heraus.

– checke, welche Trigger sich in deinem Leben vermeiden lassen. Man kann nicht alle äußeren Umstände im Leben kontrollieren. Aber du kannst kontrollieren, wie oft du die Facebook Seite deines Exfreundes checkst. Und seinen Instagram Account. am besten gar nicht. Ganz: praktisch: in Phasen, wo du sehr verletzlich bist: absolutes Verbot, auf seine Seite zu schauen. Stabilisiere dich erst wieder, durch dein Üben. Und dann setz dir ein Limit: zum Beispiel maximal 30 Minuten Social Media am Tag.

-wenn du deinem Exfreund (oder ähnliche Situation, ist ja nur ein Beispiel) über den Weg läufst. Prüfe: Hab ich meine Gedanken und Gefühle in der Situation im Griff? Fühle ich mich frei, klar, gut? Oder aufgewühlt, abhängig? Entscheide dann, was zu tun ist. Bleibe ich oder renne ich?

Kein Mensch kann dir Vorschriften dazu machen.

Nur spüre in jeder Situation: führt mich das in Abhängigkeit oder in Freiheit? Und dann entscheide!

Und nun zu deinem Üben.

Wir überlagern jetzt das alte Zeug aus deinem Unterbewusstsein mit neuem positive stuff. Fast so, als würde man viel schöne Blümchentapete mit Einhörnern auf die alte graue vergilbte Tapete kleben. Ha! Und auf Dauer wird die alte doofe Tapete immer schwächer und hat irgendwann nix mehr zu melden.

Ein paar meiner all-time favourites, um den Geist in den Griff zu bekommen, findest du auf der Fuckluckygohappy Seite.

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Der fehlende Teil

Es gibt da diese griechische Legende von den Kugelmenschen. Einige von ihnen waren zum Teil Mann, zum Teil Frau – in einem Körper. Weil die Götter um ihre Macht fürchteten, trennten sie die Kugelmenschen mittendurch, so dass Mann und Frau fortan einzeln ihr Dasein fristeten. Immer auf der Suche nach ihrem verlorenen Part.

Wenn mal was rund war im Leben, neigt man dazu, es wieder zu suchen, in anderer Form, in einem anderen Paar Augen, in einem spezifischen Gefühl, das einen wieder ganz machen soll. Dass man dieses Rund-Gefühl nicht rund um die Uhr haben kann, ist klar. Irgendwann muss man ja auch die dreckigen Unterhosen vom Mann waschen und das Klo putzen. Aber darum geht es hier nicht. Eher darum, dass dir dein Herz zuflüstert: Das ist es, genau das brauchst du, damit deine Seele sich verbunden fühlt. Damit du nicht mehr allein bist.

Manche sagen, man braucht niemand anderen, um sich verbunden zu fühlen. Das kann man allein. Andere – wie zum Beispiel Hermann Hesse – haben sich ihr Leben lang unvollständig gefühlt, haben sich verzehrt danach, ihre Ergänzung zu finden, um mit ihr verschmelzen zu können. Bei Hesse hatte es ein Happy End. In seiner dritten Ehe, mit der Kunsthistorikerin Ninon Dolbin, schien er gefunden zu haben, was er Zeit seines Lebens gesucht hatte. Er hörte in jener Zeit auf zu schreiben und zu malen. Kann sein, dass diese Beziehung ihn geheilt hat, er keinen Seelenschmerz mehr durchs Malen und Schreiben loslassen musste.

Ein sehr schönes Bild liefert Hesse zu dem Wunsch, sich mit einer Frau wirklich zu vereinigen. In Piktors Verwandlungen sucht ein Junge – Piktor – nach seinem Glück und lässt sich in einen Baum verwandeln. Jahrelang ist er zufrieden, weil für ihn ein Baum das Inbild von Ruhe Kraft und Würde ist. „Er sog mit durstigen Fasern tief in der kühlen Erde, und wehte mit seinen Blättern hoch im Blauen.“

Nur dann merkt der Baum allmählich, dass sich alles um ihn herum verwandelt, und er immer derselbe bleibt. Das lässt ihn müde und alt werden. Dann taucht allerdings ein junges Mädchen auf, der Baum verliebt sich in das Mädchen, er spürt ein so großes Verlangen nach Glück, wie er es noch nie gefühlt hat. Das Mädchen lehnt sich an den Baum, der Baum erschauert, und sie fühlt denselben Schauer im eigenen Herzen. „Was war doch dies? Warum musste man so leiden? Warum begehrte das Herz die Brust zu sprengen und hinüber schmelzen zu Ihm, in Ihn, den schönen Einsamen?“

„Der Baum zitterte leise bis in die Wurzeln, so heftig zog er alle Lebenskraft in sich zusammen, dem Mädchen entgegen, in dem glühenden Wunsch nach Vereinigung.“ Das Mädchen hat einen Wunsch frei und wird eins mit dem Baum, „trieb als starker junger Ast an seinem Stamm, wuchs rasch zu ihm empor. Nun war alles gut, nun war die Welt in Ordnung, nun erst war das Paradies gefunden… Er war verwandelt. Und weil er dieses Mal die richtige, die ewige Verwandlung erreicht hatte, weil er aus einem Halben ein Ganzes geworden war, konnte er sich von Stund an weiter verwandeln, so viel er wollte. Ständig floss der Zauberstrom des Werdens durch sein Blut, ewig hatte er Teil an der allstündlich entstehenden Schöpfung.“

Hach, schönes Idealbild. Nur wie umsetzen?

Finde die Süße in deinem Leben, würde Petros vorschlagen. Finde eine Situation, ein Bild, eine Person, wo alles da ist, alles rund, alles eins. Dann spür mal, ob die Süße vom Objekt kommt oder von dir. Aus dir. Vielleicht kannst du spüren, dass die Süße auch ohne das Objekt da ist. Dass die Süße nicht bedingt ist. Dass nicht erst Jonas da sein muss, damit du dich vollständig fühlst.

Der Kopf denkt immer, wenn ich nur erst wieder die Situation / das Gefühl xy von damals wieder hätte, DANN wäre ich glücklicher. Nö, weil dann muss ich ja immer hinter irgendwas her rennen. Dabei ist die Süße immer da.

Gabriela Bozic sagt, wenn mir jetzt was fehlt, dann kann ich’s halt grad selber noch nicht füllen. Ich kann aber im Lauf der Zeit in meine eigene Lücke hineinwachsen und sie langsam mit Leben füllen. Und wenn du schlimm verletzt worden bist, das sind wir alle, dann musste das sein. Damit du lernst, was Liebe nicht ist.

Telefoniere mit meiner Oma „Orakel Oma“ und frage sie, du wie war’n des bei dir? War der Opa dein fehlender Teil? Hat sich‘s rund angefühlt? Nö, sagt die Oma. Sie hat von meinem Opa geträumt, bevor sie ihm begegnet ist. Der liebe Gott hat da die Finger im Spiel gehabt, sagt sie. Er hat ihr gesagt, dass bald ein Mann auftauchen würde, der um ihre Hand anhält. Und dass er ihre Bestimmung ist und dass sie in einem Haus neben einer Straßenbahnhaltestelle wohnen würden später. Das mit der Straßenbahnschiene und dem Handanhalten kam dann tatsächlich. Und meine Oma ist überzeugt, das hatte alles so seine Richtigkeit. Ganz rund war’s trotzdem nicht.

Hab schon lange nichts mehr geschrieben. und jetzt wieder 🙂

checkt mal das aktuelle Heft von Liebe Nachbarn …. oder hier ❤om in town liebe nachbarn adrienn sümeg günther klebinger

 

Foto ra außen: Axel Hebenstreit

Foto re außen: Axel Hebenstreit

Hab schon lange nichts mehr geschrieben.

Vielleicht auch weil sich manche Dinge nicht in Worte fangen lassen.

Aber jetzt weiß ich’s wieder.

Es begann alles im November. Im November 1989.

Ich weiß noch genau, wie ich bei meiner Oma im Ostblock in Ungarn auf der geblümten Couch vor der Blümchentapete und neben der 60er Jahre Stehlampe gesessen war. Meine Familie war auch da und alle schauten fern, es war der Mauerfall.

Und ich schaute in mein Buch. Es war nicht irgendein Buch. Es war die Autobiographie einer Russin, die in Berlin lebt und dann Indien und bei Krishnamacharya lernt.

Ich war verliebt.

Natürlich war ich damals auch in Jungs verliebt, mit 11. Aber das war lange nicht so intensiv, wie sehr ich in Krishnamacharya, in Yoga und dieses Buch verliebt war.

Diese Szene war also so: alle schauen auf den Mauerfall, ich schaue auf Krishnamacharya.

Das ist jetzt 25 Jahre her. Und es ist so crazy. Diese Liebe wird einfach nicht weniger, sie wird mehr.

Und ich weiß auch noch, dass ich mich damals ziemlich allein damit gefühlt hat. Wie ein Alien. Wenn ich meinen Freundinnen erzählte, komm doch mal mit zum Yoga. Hä was, Yoga? Ich geh lieber zum Volleyball oder zum Bauch Beine Po oder zum Capoiera. Das war dann im Studium.

Und sogar nach dem Studium… geh doch mal mit zum Yoga. Ach nee weißt du ich hab da diesen Pilates Kurs.

Und jetzt, heute? Ich habe das Gefühl, endlich endlich und plötzlich gibt es da so viele Leute, die auch so verliebt sind wie ich…. In Yoga.

Heute wäre Krishamacharyas Geburtstag. 18. November 1888, er ist gestorben im Jahr 1989.

Das Leben ist ein Mosaik, für das man früh den Grundstein legt, und was die Kunst angeht, strebt man stets ins Ungewisse und der Weg wird zum Ziel unserer ersten Schritte. ~ Freundeskreis