Foto: Adrienn Sümeg

Beim Gleichgewichtsübungen machen mit meiner Privatschülerin heut früh isses mir gedämmert: Wie verflucht noch mal sollst du ein stabiler Mensch sein, wenn du schon bei den kleinsten Widrigkeiten von der Matte kippst?

Es ist viel leichter stabil zu bleiben, wenn die Unterlage stabil ist, sprich die Umstände, deine Herkunft, deine Familie, dein Freundeskreis, dein Fundament halt. Wackelts da schon, dann prost Mahlzeit!

Noch mal zum Mitschreiben: wir hatten Klötze, die auf einer zusammengefalteten Decke lagen, standen auf einem Fuß auf unserem Klotz wie der Storch im Salat und winkelten den anderen Fuß ans Standbein an – genannt Baum – streckten die Arme nach oben und wer noch nicht genug hatte, konnte die Augen zumachen. Da frage nicht nach Sonnenschein! Einmal hab ich einen eleganten Köpfer Richtung Couch gemacht. Meine Schülerin ist rückwärts ins Kinderzimmer getaumelt, nicht ohne vorher noch fast den Türvorhang abzureißen.

Wir wackeln, wir taumeln, wir fallen, aber stabil sind die wenigsten von uns. Wie auch? Den meisten ist doch irgendwann mal irgend eine Kacke passiert. Da verliert man schon mal den Halt. Den brauchste aber wiederum, um ne gescheite Beziehung vorwärts zu bringen.

Oder an wem sollen sich zwei Haltlose festhalten? An sich gegenseitig? Gott, bewahre!

Schwierig auch, wenn einer, der ein bisschen mehr Halt bei sich selbst hat, dem anderen Halt gibt. Letzterer könnte abhängig werden. Hört sich nach Abhang an, lässt nichts Gutes vermuten.

Fazit: den eigenen Halt muss man sich selbst erarbeiten, wenn er einem schon nicht in die Wiege gelegt wurde. Dass das harte Arbeit ist, verleugnet keiner. Aber nicht umsonst sagt Patanjali: man soll die ganze Yoga-Sache mit abhyasa und vairagya angehen, mit beharrlicher Anstrengung und nachhaltigem Gleichmut. Also streng dich an und bleib gechillt!

Das Schöne an der Sache: hast du erstmal den Halt, dann hält dich auch nichts mehr auf, selbstlos zu lieben.